Brief der Ermutigung an Judica – 29.3.2020

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen…

 

Brief der Ermutigung an Judica – 29.3.2020

Liebe Gemeindeglieder,

Es ist wunderschön, dass wir zusammengehören und dass es so viele Mittel und Wege gibt, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren! Telefon und Internet sind die äußerlich-hörbaren Mittel. Das Gebet ist das unsichtbare, was uns aber genauso hält, trägt und verbindet. Unser gemeinsamer Glaube verbindet uns in der Zuversicht und Hoffnung. Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Wochenspruch Matthäus 20,28:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.

 

Wochenlied EG 97 Holz auf Jesu Schulter

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Refrain:
Kyrie eleison, sieh wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt
Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.

Refrain…

3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.
Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht.

Refrain…

4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.
Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.

Refrain…

5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu.
Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?

Refrain…

6. Hart auf deiner Schulter, lag das Kreuz, o Herr,
ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

Refrain…

 

Wochenpsalm: Psalm 43

Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

 

Evangelium für den Sonntag Judica: Markus 10,35-45

35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. 36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. 41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

 

Liebe Gemeindeglieder!

Die Opossums sind merkwürdige Tiere. Diese Beutelratten mit den Streifen über den Augen sind so groß wie Katzen. Sie leben in den Wäldern Amerikas und haben etliche Feinde. In der Abwehr ihrer Gegner entwickeln sie eine Eigenart: bei Gefahr stellen sie sich tot. Dieses Totstellen ist so effektiv und auffällig, dass in Amerika der Ausdruck „playing possum“ (sich tot stellen) zur Redewendung wurde.

„Playing possum“ – das ist auch jetzt unsere Situation. Uns ist Stille und Kontaktsperre verordnet worden. Scheinbar ist die ganze Gesellschaft lahmgelegt. Kein Besuch von Enkeln bei Großeltern, keine Besuche in Krankenhäusern und Altenheimen – das ist hart und tut weh! Und dieser ganze Stillstand und Totstellreflex hat einen einzigen Grund: Der Schutz des Lebens vor dem unsichtbaren Feind Coronavirus. Dieses Stilllegen, Totstellen ist eine gewaltige Einschränkung – und doch lebensrettend.

Ich sehe aber (bei aller Einschränkung!) nicht nur das Belastende, sondern auch die Chance der verordneten Stille.

Denn es fällt uns Menschen so schwer, einfach mal stille zu sein und ruhig zu halten. Wir wollen immer aktiv sein, sind ständig in Bewegung. Einfach mal ruhig zu sein und nicht nur die Beine, sondern auch die Seele baumeln zu lassen – das ist für viele Menschen kaum auszuhalten. Das war früher nicht anders als heute. Schon beim Propheten Jesaja lesen wir:

„Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein.“ (Jesaja 30,15)

Die Leute zu Jesajas Zeiten haben es nicht begriffen, setzten auf Aktion und nicht auf Gott und erlebten dadurch die Katastrophe.

Deshalb möchte ich auch die Einschränkungen dieser Tage nicht nur beklagen, sondern als Chance für mein Leben sehen: da ich sowieso zur Ruhe verdonnert bin, kann ich einmal still werden und mich bewusst zu Gott hinwenden. Die alte Ausrede: „Ich habe keine Zeit“ gilt nicht mehr. Dabei hilft mir der Vers aus Psalm 62,2:

„Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“

Den wiederhole ich immer wieder und bemerke dabei, wie mein Vertrauen in Gottes Kraft wächst.

 

Lied EG 369 Wer nur den lieben Gott lässt walten

1) Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

3) Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unser’s Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu; denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

Barmherziger Gott,

wir sind ratlos und bringen unsere Ratlosigkeit vor dich.

In Sorge um unsere Angehörigen sind wir, und wir bringen unsere Sorge vor dich.

Bedrückt sind wir, und wir bringen unsere Angst vor dich.

Dankbar sind wir für alle Menschen, die uns Mut machen, und wir bringen unseren Dank für sie vor dich.

Mitten hinein in unsere Angst schenkst du uns das Leben.

Du schenkst uns Gemeinschaft und die Fürsorge unserer Freunde und Nachbarn.

Du schenkst uns Inspiration, Freundlichkeit und Mut.

Du schenkst uns den Glauben, die Liebe und die Hoffnung.

Dir vertrauen wir uns an – heute und morgen und an jedem neuen Tag.

Amen.

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfarrer Andreas Merkel