Brief der Ermutigung an Palmarum – 5.4.2020

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen…

 

Brief der Ermutigung an Palmarum – 5.4.2020

Liebe Gemeindeglieder,

Nun sind wir schon die dritte Woche in unserer Bewegung eingeschränkt. Auf die Straße zu gehen und Jesus mit Palmwedeln zuzuwinken, wäre uns jetzt nicht möglich. Wir können uns aber gemeinsam auf den inneren Weg zu Jesus zu machen und ihm nachfolgen. Es liegt zwar die Karwoche mit viel Leid und Tränen vor uns – aber wir wissen: das Kreuz ist nicht die Endstation!
Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Wochenspruch Johannes 3,14:

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

 

Wochenlied EG 91 Herr, stärke mich

1) Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen.

2) Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen:

3) welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde.

5) Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes, die Weisheit Gottes.

6) Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder,
es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder,
lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde.

 

Wochenpsalm: Psalm 69,2-4.8-10.14.22.30

Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande.

Ich bin fremd geworden meinen Brüdern und unbekannt den Kindern meiner Mutter;

denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.

Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand, und auf Tröster, aber ich finde keine.

Sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken für meinen Durst.

Ich aber bin elend und voller Schmerzen. Gott, deine Hilfe schütze mich!

 

Evangelium für den Sonntag Palmarum: Johannes 12,12-19

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, 13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!
14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): 15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. 17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. 18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der Wochenpsalm benennt eine Erfahrung, die Menschen immer wieder durchmachen müssen: das unsägliche Leid, die Ausweglosigkeit, die Angst, bildlich gesprochen, abzusaufen…
Der Angst-Schrei nicht nur in Corona-Zeiten…
Ich bin dankbar, dass auch solche Verse in der Bibel stehen. Sie nehmen mich mit in meiner Klage und in meine Angst und weisen mit einen Weg. Der Psalmenbeter schreit zu Gott. Von ihm erwartet er seine Hilfe. Gott ist seine Zuversicht.

Der Palmsonntag mit seiner Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem stellt uns vor Augen, dass es leicht ist, Gott zu vertrauen, wenn man ein sichtbares Zeichen der Herrlichkeit Gottes vor Augen hat. Im Evangelium lesen wir, dass viele Menschen Jesus einen großartigen Empfang in Jerusalem bereiten – eben weil sie gehört hatten, dass er den Lazarus ins Leben zurückgerufen hatte. Der Evangelist Johannes erzählt ganz unverblümt: nur deshalb waren die Leute da, um Jesus zu bejubeln. Sie waren noch voller Staunen über Jesu Wundertaten. Und dieser Jubel war so gewaltig, dass die Gegner Jesu sagen müssen: „Alle Welt läuft ihm nach!“
Aber das änderte sich ganz schnell. Denn die Meinung der Menge wendete sich sehr bald. Diejenigen, die eben noch „Hosianna“ gerufen hatten, schrien jetzt: „Kreuzige!“ Man war nicht bereit, Jesus zu folgen, wenn er nicht ihre Erwartungen erfüllte.

Palmsonntag ist der Beginn der Karwoche – der Leidenswoche.
Da sind auch wir gefragt: wie halten wir es mit diesem Jesus?
Vertrauen wir ihm nur, wenn er uns Erfolg, Gesundheit und Sieg schenkt – oder halten wir auch zu ihm, wenn es im Leben nicht so geht wie wir es uns gedacht und gewünscht haben?
Die Jünger flohen, als Jesus verhaftet wurde. Machen wir uns auch aus dem Staub, wenn wir von Not, Leid und Krankheit getroffen werden? Gehen wir mit Jesus durch dick und dünn? Ist unser Vertrauen auf ihn noch da, wenn wir in der Krise stecken?
Der Psalmenbeter schreit in seiner Not zu Gott und ruft ihn um Hilfe. Er vertraut Gott – auch in seiner Not. Das möchte ich auch.
Deshalb singe und bete ich: „Bei dir, Jesus, will ich bleiben.“

 

Lied EG 406,1+4 Bei dir, Jesu, will ich bleiben

1) Bei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn;
nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn.
Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft,
wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.

4) Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich so in Freude wie in Leid;
bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit.
Deines Winks bin ich gewärtig, auch des Rufs aus dieser Welt;
denn der ist zum Sterben fertig, der sich lebend zu dir hält.

 

Gebet

Jesus Christus, unser Herr unser Befreier,

manchmal wünschten wir, du würdest sofort sichtbar alles Elend beenden. Dann würde wir dich als Sieger feiern und würden dir mit Freude nachlaufen und dich bejubeln.

Aber du kommst auf einem Esel geritten, in der Gestalt eines machtlosen Menschen, und dein Weg führt in Leiden und Sterben.

Du enttäuschst uns, wenn wir von dir göttlichen Zauber erwarten.

Du machst uns unzufrieden, wenn du nicht unsere Wünsche erfüllst.

Aber du tröstest alle, die auf eine neue Welt hoffen, denn die Macht deiner Liebe verschafft dir den Sieg über alles Böse.

Dein Gottvertrauen ist die Macht, die Krankheit, Schmerzen, Elend und Einsamkeit überwindet.

Mach uns von allen falschen Erwartungen frei, und lehre uns, dir mit dem Mut der Demut zu folgen.

Vater unser im Himmel…

Amen.

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfarrer Andreas Merkel