Brief der Ermutigung an Karfreitag – 10.4.2020

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen…

 

Brief der Ermutigung an Karfreitag – 10.4.2020

Liebe Gemeindeglieder,

Heute, zum Karfreitag verstummen wir angesichts des Leidens von Jesus Christus. Unsagbare Trauer, Wut und Enttäuschung machen sich breit: der, der das Leben gelebt und verkündigt hat, der die Liebe Gottes unter uns Menschen bezeugt hat – der wird ermordet. Dabei waren sich damals die politischen und religiösen Anführer einig: dieser Jesus muss sterben!
Bis auf den heutigen Tag machen Menschen diese Karfreitags-Erfahrungen: verraten und verkauft, verlassen von Menschen, scheinbar gottverlassen.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ So schreit Jesus am Kreuz, so schreien Menschen heute: Kranke auf der Intensivstation (bei weitem nicht nur Corona-Infizierte!), Flüchtlinge im Lager, Hungernde, Verfolgte und Drangsalierte auf der ganzen Welt. Damit wird Jesus allen Leidenden ein Vor-Bild im Leid: Jesus wird Bruder, Weggefährte, Helfer, Beistand.
Als Sündenbock für alles Verfehlte und Böse trug er die Last und Schuld der Welt.
Sein Kreuz ist Mahnmal und Siegeszeichen zugleich:
Mahnmal für alles Böse, was getan wird, Siegeszeichen für die Macht der Liebe, die bis zum Äußersten geht, Gott und das Leben nicht verrät und am Ende überwindet.

Wir sind verbunden im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Tagesspruch Johannes 3,16:

So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

 

Lied EG 85 O Haupt voll Blut und Wunden

1) O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt,
sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

2) Du edles Angesichte, davor sonst schrickt
und scheut das große Weltgewichte: wie bist du so bespeit,
wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht‘?

3) Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last;
ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat.
Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad.

5) Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen in meinem Arm und Schoß.

8) Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir,
wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

 

Psalm 22 (in Auszügen)

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.

Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

»Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«

Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, / und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.

Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.

Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

 

Evangeliumlesung Matthäus 27, 26-50

26 Pilatus ließ Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen. 27 Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn. 28 Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. 29 Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! 30 Und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf.
31 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen. 32 Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Cyrene namens Simon; ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen.
33 So kamen sie an den Ort, der Golgata genannt wird, das heißt Schädelhöhe. 34 Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken. 35 Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. 36 Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn. 37 Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der König der Juden. 38 Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links.
39 Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf 40 und riefen: Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz! 41 Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten verhöhnten ihn und sagten: 42 Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben.
43 Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn. 44 Ebenso beschimpften ihn die beiden Räuber, die man zusammen mit ihm gekreuzigt hatte.
45 Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land. 46 Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
47 Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija. 48 Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. 49 Die anderen aber sagten: Lass doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft. 50 Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.

 

Gebet

Allmächtiger Gott, ich sehe auf das Kreuz Jesu.

Dein Sohn wird zum Bild deines Schmerzes und unserer Not, deiner Liebe und unserer Hoffnung.

Ich denke an das Leid in der Welt: an Notbeatmung und qualvolles Sterben, an mit dem Coronavirus infizierte Menschen in der ganzen Welt, an Schmerzen und Tränen, an Bosheit und Gleichgültigkeit, an Folgen von Krieg und Gewalt, an Opfer und Täter.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – im Todesschrei deines Sohnes sammeln sich die lauten und leisen Schreie der Verzweifelnden.

Ich denke an die Flüchtlinge, die in Lagern festsitzen und an Heimbewohner, die nicht besucht werden dürfen, an Menschen, die sich überfordert fühlen und in seelischen Nöten gefangen sind.

Die Angst lähmt mich – doch das Beispiel deines Sohnes ermutigt mich, an dich zu glauben und an die Kraft deiner Liebe, die stärker ist als Leid und Tod.

Heile die Welt. Heile du meinen Körper, Seele und meine Sinne.

Schenke uns inmitten aller Unruhe, Angst und Sorge Hoffnung und
Frieden.

Vater unser im Himmel…

Amen.

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfarrer Andreas Merkel