Brief der Ermutigung an Miserikordias Domini – 26.4.2020

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen…

 

Brief der Ermutigung an Miserikordias Domini – 26.4.2020

Liebe Gemeindeglieder,

Heute ist der so genannte „Hirtensonntag“.
In den biblischen Lesungen geht es um den guten Hirten, der sich um die Seinen kümmert. Wir schauen dabei auf Jesus Christus, der für uns wie ein guter Hirte ist, der auch in schwierigen Lebenslagen rettet und das Verlorene sucht und findet. Er behütet uns in allen Lebenslagen und ist stets an unserer Seite.

 

Lied EG 274 Der Herr ist mein getreuer Hirt

1. Der Herr ist mein getreuer Hirt,
hält mich in seiner Hute,
darin mir gar nicht mangeln wird
jemals an einem Gute.
Er weidet mich ohn Unterlass,
da aufwächst das wohlschmeckend Gras
seines heilsamen Wortes.

2. Zum reinen Wasser er mich weist,
das mich erquickt so gute,
das ist sein werter Heilger Geist,
der mich macht wohlgemute;
er führet mich auf rechter Straß
in seim Gebot ohn Unterlass
um seines Namens willen.

3. Ob ich wandert im finstern Tal,
fürcht ich doch kein Unglücke
in Leid, Verfolgung und Trübsal,
in dieser Welte Tücke:
denn du bist bei mir stetiglich,
dein Stab und Stecken trösten mich,
auf dein Wort ich mich lasse.

4. Du b’reitest vor mir einen Tisch
vor mein‘ Feind‘ allenthalben,
machst mein Herz unverzaget frisch;
mein Haupt tust du mir salben
mit deinem Geist, der Freuden Öl,
und schenkest voll ein meiner Seel
deiner geistlichen Freuden.

5. Gutes und viel Barmherzigkeit
folgen mir nach im Leben,
und ich werd bleiben allezeit
im Haus des Herren eben
auf Erd in der christlichen G’mein,
und nach dem Tode werd ich sein
bei Christus, meinem Herren.

 

Wochenspruch Johannes 10,11a.27-28a:

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

 

Wochenpsalm: Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

Evangelium für den Sonntag Miserikordias Domini: Johannes 10,11-16.27-30

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. 27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen. 30 Ich und der Vater sind eins.

 

Liebe Gemeindeglieder!

Meine Tante Elisabeth verabschiedete sich von uns Kindern immer mit dem Wunsch: „Gott behüt dich!“ Als Kind fand ich das doof.
Aber als Vater verabschiede ich meine Kinder und Enkel immer mit dem Wunsch: „Gott behüt dich!“ Und als Pfarrer ist es mein schönster Wunsch und Gebet für Sie: „Gott behüt dich!“
Wir brauchen einen, der uns behütet, der auf uns aufpasst, der uns sucht und findet und uns den richtigen Weg im Leben weist…

In Jesus Christus haben wir einen, der uns wie ein guter Hirte behütet. Einen starken Herrn, der es gut mit uns meint, der uns durchs Leben leitet, auch wenn es schwer wird. Im Psalm wird das so beschrieben: „… und ob ich schon wanderte im finsteren Tal fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir“. Er kennt uns und ruft uns mit Namen: „Du, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

Inmitten einer Zeit, in der die Wölfe heulen, in der uns die Einsamkeit beschleicht und viele Gefahren und Nöte bedrängen, ist er an unserer Seite. Er – der gute Hirte – flieht nicht, wenn es brenzlig wird, sondern hält stand. Im Gegensatz zu all den anderen Anbietern von Glück und Heil zieht er sich nicht zurück, wenn wir in Not sind. Nein, der gute Hirte Jesus bleibt an unserer Seite. Er hält uns, auch wenn wir abrutschen, wenn es uns übel ergeht und wir nicht weiter wissen. Seine Liebe hält und trägt und erträgt uns und unsere Last. Auch in der Corona-Zeit, in der wir isoliert leben müssen…

„Ich bin der gute Hirte, ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich“ – mit diese Vertrautheit haben wir einen an unserer Seite, der für uns da ist. Und an dieser Stelle wird es auch für mich und dich wieder konkret: Vertraue ich wirklich Jesus Christus, dass er mein guter Hirte ist, dass er mich führt und leitet, dass er mich nicht hängen lässt? Höre ich auf seine Stimme oder vertraue ich den Marktschreiern, die mir das Blaue vom Himmel versprechen und wenn es hart kommt nicht mehr da sind?

Ich finde es schon lange nicht mehr komisch, wenn mir jemand wünscht: „Gott behüt dich!“ Denn dann werde ich wieder neu daran erinnert, dass ich von Gott geliebt bin und er mich hält und trägt – auch in allen Schieflagen und Anfechtungen meines Lebens.

 

Lied EG 358 Es kennt der Herr die Seinen

1) Es kennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekannt,
die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land.
Er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein;
im Leben und im Sterben sind sie und bleiben sein.

3) Er kennt sie als die Seinen an ihrer Hoffnung Mut,
die fröhlich auf dem einen, dass er der Herr ist, ruht,
in seiner Wahrheit Glanze sich sonnet, frei und kühn,
die wundersame Pflanze, die immerdar ist grün.

5) So hilf uns, Herr, zum Glauben und halt uns fest dabei;
lass nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich sei!
Und wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn,
so lass uns als die Deinen zu deiner Rechten stehn!

 

Gebet

Allmächtiger, barmherziger Gott!

Bei dir sind wir geborgen. Du behütest uns wie ein guter Hirte.

Du führst uns zur Quelle des Lebens, wenn wir uns wie ausgedörrt fühlen und uns nach Leben sehnen.

Du leitest uns an einem jeden Tag, auch wenn wir nicht wissen, wie es mit uns und unserer Umwelt weitergehen soll.

Deine Liebe lässt uns nicht im Stich, wenn wir zweifeln und zagen, wenn wir nicht mehr weiterwissen.

Im Angesicht aller Sorgen und Ängste machst du uns Mut und zeigst uns die Schönheit des Lebens.

Deine Nähe tröstet uns und macht uns froh. Weite unseren Blick für die Menschen in der Nähe und Ferne, dass wir nicht nur an uns selbst denken, sondern auch unseren Nächsten in seiner Not sehen.

Vater unser im Himmel…

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfarrer Andreas Merkel