Brief der Ermutigung an Kantate – 10.5.2020

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen…

 

Brief der Ermutigung an Kantate – 10.5.2020

Liebe Gemeindeglieder,

Der heutige Sonntag „Kantate“ fordert uns zum Singen auf.
Als singende Menschen erfahren wir, dass Lieder nicht nur Herzen fröhlich machen können, sondern auch Türen aufschließen.
Das Klagelied hilft nicht nur, Not und Sorgen abzulegen, sondern vermag auch neue Hoffnung zu geben.
Das Danklied schärft uns den Blick für die Schönheit des Lebens und macht unser Leben froh.
Das Loblied bringt uns die Verbindung mit dem allmächtigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und auch dir und mir in Liebe begegnet.
Und so haben wir auch heute vielfachen Grund zum Singen.

 

Lied EG 302 Du meine Seele, singe

1) Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2) Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt.

3) Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte, / die Seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzähl´ge Herde / im großen wilden Meer.

8) Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen Seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in Sein Zelt,
ist´s billig, dass ich mehre / Sein Lob vor aller Welt.

 

Wochenspruch: Psalm 98,1

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

 

Wochenpsalm: Psalm 98

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der HERR lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

 

Evangelium für den Sonntag Kantate: Lukas 19,37-40

37 Und als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!
40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

Liebe Gemeindeglieder!

Der heutige Sonntag trägt den lateinischen Namen „Kantate“.
Das heißt übersetzt: „Singet!“ Da wird normalerweise im Gottesdienst gesungen und musiziert. Dieses Jahr aber ist es unter den Corona-Vorschriften für alle Kirchenchöre eine große Enttäuschung, nicht singen zu dürfen. Und wenn wir jetzt im Gottesdienst nur mit Mundschutz singen, dann ist das auch komisch.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ So wird uns im Wochenspruch entgegengerufen.
Können wir das? Glauben wir das? Glauben wir, dass Gott solche Wunder tut, die uns zum Lobsingen bringen? Können wir überhaupt noch frohgemut singen?
Manch einem von uns hat die Sorge und Not die Kehle zugeschnürt… Also: wie ist das mit dem Singen?

Zwei Erlebnisse aus meiner frühen Jugend haben mich nachhaltig geprägt: da war eine alte Rentnerin als Küchenhilfe angestellt – und die sang mit Freude beim Spülen riesiger Geschirrberge Lieder aus ihrer Jugend. Da war der alte Maurer, der bei der Arbeit nicht Radio hörte, sondern vor sich hin summte und sang…
Warum sind mir diese Begebenheiten in Erinnerung geblieben?
Weil ich dort von den Alten gelernt habe, wie Singen motivieren kann und Alltag und Gesang sehr wohl zusammenhören können…
Singen beflügelt und hilft, die Arbeit oder den Alltag zu verschönern. Es ist eben eine innere Lebenseinstellung, ob ich etwas nur mürrisch mache oder mit einem Lied auf den Lippen…

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Singen, summen, brummen kann ich dann, wenn mein Herz nicht nur das sieht, was mich belastet, sondern wenn ich an etwas Schönes denke oder mich auf etwas freue: wenn ich mich darüber freue, dass es draußen Frühling ist; wenn ich den Blick dafür gewinne, dass es schön ist zu leben. Wenn ich dankbar bin, im Frieden zu leben. Wenn mir der Frühstückskaffee schmeckt…
Viele Dinge entdecke ich, über die ich mich freuen kann. Und über allem wird mir die Seele leichter, dass ich nicht nur meine Sorgen sehe, sondern ein Liedchen anstimmen kann: ein Lied, um Gott zu loben und ihm zu danken. Und das ist ein wunderschönes Alltags-Wunder: das ich mit Gottes Hilfe zur Lebensfreude gefunden habe.

 

Lied EG 288 Nun jauchzt dem Herren alle Welt

5) Dankt unserm Gott, lobsinget ihm,
rühmt seinen Namen mit lauter Stimm;
lobsingt und danket allesamt.
Gott loben, das ist unser Amt.

 

Gebet

Barmherziger Gott, wir danken dir mit unseren Liedern. Du schenkst uns das Licht des Tages und die Ruhe der Nacht. Du umgibst uns mit deiner Liebe und verwandelst unsere Klage in ein Loblied.
Mit unserem Herzen und mit unserem Mund wollen wir ein neues Lied anstimmen.

Herr, wir bitten dich aber auch für die vielen, denen nicht nach Singen zumute ist: deren Herz verkrampft ist und deren Mund stumm bleibt. Wir bitten dich für alle, die über ihr Lebensschicksal klagen. Wir bitten dich für die Einsamen, für die Kranken und Benachteiligten, für die Belasteten und Unterlegenen.

Herr, wir bitten dich für alle, die sich nach Glück und Geborgenheit sehnen, aber deren Herzen leer bleiben, weil sie vergebens auf Zuneigung anderer warten. Wir bitten dich für die, die angesichts ihrer Misserfolge und Rückschläge verbittert sind und aufgeben wollen.

Herr, wir bitten dich, öffne unsere Herzen, damit wir frei werden von unseren Ängsten und Sorgen. Verwandele unseren betrübten Geist und erfülle unsere Sinne mit Liebe zu dir. Lass unsere Klagen verstummen, damit wir fröhlich ein neues Lied anstimmen können.

Vater unser im Himmel…

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfarrer Andreas Merkel