Brief der Ermutigung an Rogate – 17.5.2020

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen…

 

Brief der Ermutigung an Rogate – 17.5.2020

Liebe Gemeindeglieder,

Der heutige Sonntag trägt den Namen „Rogate“. Das heißt „Betet!“
Beten ist Reden mit Gott – und das geschieht in unterschiedlichster Art und Weise.
Wenn ich mit jemanden rede, dann tausche ich mich mit dem anderen aus, dann kann ich von mir erzählen, danken, bitten, loben, preisen, klagen, schimpfen, jubeln, lachen, weinen…
All das kann ich im Gebet. Jesus macht uns immer wieder Mut, ganz vertrauensvoll mit Gott zu reden – und auch auf Gott zu hören. Denn auch das gehört zum Gespräch: nicht nur das Reden, sondern auch das Zuhören.

 

Lied SvH 47 Bist zu uns wie ein Vater

1.) Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst.
Der trotz all seiner Größe immer ansprechbar ist.

2.) Deine Herrschaft soll kommen, das, was du willst, geschehen.
Auf der Erde, im Himmel sollen alle es sehn.

3.) Gib uns das, was wir brauchen, gib uns heute unser Brot.
Und vergib uns den Aufstand gegen dich und dein Gebot.

4.) Lehre uns zu vergeben, so wie du uns vergibst.
Lass uns treu zu dir stehen, so wie du immer liebst.

5,) Nimm Gedanken des Zweifels und der Anfechtung fort.
Mach uns frei von dem Bösen durch dein mächtiges Wort.

6.) Deine Macht hat kein Ende, wir vertrauen darauf.
Bist ein herrlicher Herrscher und dein Reich hört nie auf.

Refrain:
Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen.
Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten, Amen.

 

Wochenspruch: Psalm 66,20

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

 

Wochenpsalm: Psalm 95,1-7

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.
 

Evangelium für den Sonntag Rogate: Lukas 11,5-13

5 Und Jesus sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.
9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? 12 Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

 

Liebe Gemeindeglieder!

Betet! – so wird uns heute entgegengerufen. Wie beten wir?
Die Evangeliumslesung beschreibt in Gleichnissen, wie wir zu Gott beten können: voller Vertrauen und Zuversicht, dass er für uns sorgt. Voller Gewissheit, dass Gott uns hört und uns das zum Leben gibt, was wir brauchen.
Das klingt einfach und plausibel. Das vertraute Gespräch mit Gott sollte für uns Christen selbstverständlich sein. Und dennoch gibt es viele Zerrbilder beim Beten.

  • Beten soll nicht das Handeln ersetzen. „Ora et labora“ – bete und arbeite – das war schon eine alte Mönchsregel. Das Gebet und das Tun gehören zusammen.
  • Die zweite Gefahr beim Beten besteht darin, dass ich Gott meinen eigenen Willen und meine Wünsche aufzwingen will. Dass Gott nicht automatisch alle unsere Gebets-Wünsche erfüllt, ist auch für fromme Leute oftmals nicht so richtig einsichtig. Gott führt uns manchmal Wege, die wir nicht nachvollziehen können.
  • Die dritte Hürde beim Beten besteht darin, dass wir nur um uns selbst kreisen und nicht auf Gott hören. Ein Gespräch ist immer zweiseitig – also heißt Beten auch: auf Gott hören.
    Jesus lehrt uns nicht nur das Vaterunser, sondern auch: „Gott, dein Wille geschehe“. In Gethsemane hat Jesus im Blick auf Leben und Tod uns vorgelebt, wie Vertrauen auf Gott aussehen kann…

Dass wir in unserem Gebet nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere Menschen beten, ist selbstverständlich. Dabei können wir die ganze Not und Elend, Krankheit und Belastungen vor Gott bringen. Wir sind geradezu herausgerufen, den Anderen im Blick zu haben…

Und so werden auch wir erleben können, dass andere Menschen für uns beten. Haben Sie das nicht manchmal auch gespürt? Dass Sie mitten in einer schwierigen Situation auf einmal Kraft und Zuversicht bekommen haben – die Sie aus eigenem Ermessen nie gehabt hätten? Haben Sie es nicht auch schon gespürt, wie toll es sein kann, wenn für Sie gebetet wird, welche innere Ruhe oder Kraft Sie geschenkt bekommen haben?
Füreinander beten, den anderen in seiner Not zu sehen und alles vertrauensvoll vor Gott zu bringen – das ist eine wunderbare Aufgabe, die Segen bringt.

 

Gebet

Barmherziger und ewiger Gott,

du rufst uns aus unserer Gleichgültigkeit.

Wir bitten dich für unser eigenes Leben und das Leben der Menschen, mit denen wir im Kleinen und Großen zusammenleben.

Wir bitten dich für allen Regierenden und Verantwortlichen. Schenke ihnen immer wieder Weisheit, Kraft und den Willen, zum Wohle der Menschen zu entscheiden und zu handeln und für Frieden und Ausgewogenheit unter den Bürgern zu sorgen. Greife mit deinen guten Geist immer wieder in das Geschehen ein.

Wir bitten dich für die Menschen, mit denen wir zusammenleben:

  • für unsere Familien
  • für unsere Arbeitskollegen und Nachbarn
  • für die Kirchgemeindeglieder, mit denen wir unsern Glauben teilen
  • für alle Menschen, die mit in unseren Orten wohnen
  • für die Menschen in unserem Land und in der weiten Welt

Herr, deine Liebe ist größer als all unser Denken und Tun. Schenke allen Menschen deinen Segen…

Herr, wir danken dir, dass wir mit allen unseren Freuden, Problemen und Sorgen zu dir kommen können. Du hörst uns und schenkst uns die Gewissheit, dass wir durch Freud und Leid, durch Sonntag und Alltag in deiner Hand geborgen sind.

Vater unser im Himmel…

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfarrer Andreas Merkel