Brief der Ermutigung an Exaudi – 24.5.2020

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen…

 

Brief der Ermutigung an Exaudi – 24.5.2020

Liebe Gemeindeglieder,

der Sonntag Exaudi spiegelt die Spannung wider, in der sich die Jünger nach Himmelfahrt befanden. Das Vergangene ist vorbei, das Zukünftige noch nicht da. Die Gegenwart ist für sie angestemmt und bedrückend.
In diese Spannung hinein erklingt als Erinnerungsruf die Rede Jesu, in der er den Tröster, seinen Geist, verheißt.

 

Wochenspruch: Johannes 12,32

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

 

Lied EG 136 O komm, du Geist der Wahrheit

1.) O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher Getreuer den Herrn bekennen kann.

2) O du, den unser größter Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

3) Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

4) Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben das Evangelium.

 

Wochenpsalm: Psalm 27,1.7-14

Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!

Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf.

HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.

Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.

Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

 

Evangelium für den Sonntag Exaudi: Johannes 16,5-15

5 Jesus Christus spricht: Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. 12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

 

Liebe Gemeindeglieder!

Jesus eröffnet seinen Jüngern, dass er sie verlassen wird. Und er fügt hinzu: „Das ist gut so.“ – Haben wir das richtig gehört und gelesen??? Jesus aber stellt klar: „Bliebe ich hier, dann würde der Helfer/der Tröster/der Beistand nicht kommen.“

Die Jünger wollen aber keinen Helfer. Sie wollen Jesus behalten. Und vielleicht sagen sie sich: Das ist ja auch keine Begründung. Wenn Jesus da bliebe, dann bräuchten wir diesen sogenannten Helfer ja gar nicht.

Aber Jesus bietet diesen Helfer, seinen Geist, nicht als Ersatzmann, sondern als eine Kraft, die eine Weiterentwicklung anstößt, eine persönliche Weiterentwicklung seiner Jüngerinnen und Jünger, die ihm bisher nachgefolgt, die bisher hinter ihm hergegangen sind. Der Heilige Geist ist keine Verlegenheitslösung, kein schlechter Ersatz für den „Eigentlichen“, der nun weg ist. Denn Gottes Geist macht uns Mut, mündig zu werden, für uns selbst zu sprechen. Wir sollen unsere eigenen Worte finden, nicht immer Jesus vorschieben, der unsere Probleme löst, sondern selbst fähig werden, mit den Herausforderungen der Zeit und unseres Lebens fertig zu werden. Und als Jesu Nachfolger können, wollen und sollen wir leben und mit der Kraft seines Geistes ausgestattet sein.

Und in den Situationen unseres Lebens, in denen wir uns oft so einsam und gottverlassen vorkommen, weil mal wieder alles schief geht und wir Jesu Gegenwart so gar nicht spüren, wird der Heilige Geist uns Schwung und Mut fürs Leben geben, uns trösten, uns beistehen.

Das heißt also: Wenn du mal wieder in einer scheinbar geistlosen Situation feststeckst, in der sich kein Rad mehr dreht, wo dir Gott so unendlich fern ist und du nur noch WARUM? schreien kannst – dann wird Gottes guter Heiliger Geist dir in deiner Bedrängnis und Gottverlassenheit beistehen. Er wird dir zeigen, wie heilsam es ist, Jesus zu glauben, er wird dir die Gewissheit verleihen, dass dein Heiland bei dir ist, auch wenn du ihn momentan nicht sehen kannst. Und er wird dir die Sicherheit geben, dass das Böse, was dich jetzt anficht, überwunden ist.

Ja, das ist der starke Trost für uns, die wir manchmal darunter leiden, dass Jesus nicht sofort eingreift. Wir leben so in der Gewissheit, dass wir bei Gott geborgen sind.

 

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott, wir danken dir, dass du auf unsere Stimme hörst. Du lässt uns in unserer Not und Klage nicht allein.

Du hältst zu uns, wenn wir in die Enge getrieben werden und wenn uns der Kummer den Atem nimmt. Du hast uns den Geist verheißen, der uns Trost, Kraft und Hilfe verleiht.

Das ist eine Verheißung, auf die wir vertrauen können.

Du stärkst unsere schwache Lebenshoffnung und machst unser Leben trotz herber Verluste reich.

Herr, wir bitten dich für die, die ungeduldig sind und sich lieber auf ihre eigene Kraft verlassen als auf dich. Schenke ihnen die Geduld und Vertrauen, sich auf deine Kraft zu verlassen.

Herr, wir bitten dich für die, die mit der Leidenschaft ihres Herzens die schlimmen Verhältnisse und bösen Ungerechtigkeiten in dieser Welt abschaffen wollen. Schenke ihnen den Geist der Liebe,
der Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit. Mache sie tapfer und mutig, für dich einzutreten und den Weg der Nachfolge zu gehen.

Herr, wir bitten dich für die vielen verfolgten Christen weltweit. Schenke allen Christen in ihrer Bedrängnis deinen Geist, der sie stärkt und tröstet.

Herr, wir bitten dich um deinen Geist, der uns in dir eint. Heile Wunden, die unser unvollkommenes Denken, Reden und Tun reißen. Bestärke unter uns den Willen zur Gemeinschaft, zum Zueinanderkommen und Beieinanderbleiben.

Herr über Leben und Tod, dein Wort und deine Güte führen uns am Tage und sind Zeichen in der Nacht. Wir vertrauen dir von ganzem Herzen durch Jesus Christus.

Vater unser im Himmel…

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfarrer Andreas Merkel